Büttenpapier schöpfen

  • Lesedauer:8 Minuten zum Lesen
  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Ali's Alltag

Wie können wir die Ressourcen nutzen, die direkt vor unserer Nase liegen? Diese Frage habe ich mir vor einer Weile gestellt und dann kurzerhand eine Entscheidung getroffen: Büttenpapier mache ich jetzt nur noch selbst. Warum es sich lohnt und wie einfach es funktioniert, kannst du in diesem Beitrag lesen. 

Kleiner Hinweis zu Beginn: Am Ende des Beitrags kannst du das Videotutorial anschauen. Ich habe es ursprünglich für Instagram gedreht, daher ist es leider im Hochformat. Trotz allem gibt es einen sehr guten Einblick in den Prozess des Papierschöpfens. 

Warum es sich (für mich) lohnt, Papier zu schöpfen

Ich liebe Büttenpapier! Das erste Mal bin ich damit in Berührung gekommen, als meine Tante mir ein wunderschönes Notizbuch aus dem besonderen Material geschenkt hat. Büttenpapier – oder auch Bütten – ist Papier das aus einer Wanne – einer Bütte – geschöpft wird. Diese Art der Papierherstellung ist laut dem world wide web die ursprüngliche. 

Schon im Studium habe ich viel Papier verwendet. Auch jetzt im Beruf als Texterin nutze ich recht viel Papier. Ich bin ein Mensch, der nicht nur digital arbeiten kann und vor allem für Recherchen viel drucken muss. Da ich an sich jedoch sehr viel Wert darauf lege, Ressourcen bewusst und nachhaltig zu nutzen, tut mir das viele Drucken im Herzen weh. Das Papierschöpfen ist für mich eine Möglichkeit, das bedruckte Papier nicht direkt entsorgen zu müssen, sondern weiter damit zu arbeiten. 

 

Wofür ich Büttenpapier nutze

Büttenpapier – vor allem handgeschöpftes – ist ganz besonderes Papier. Es ist dicker und fasriger als Printpapier. Je nach Papierstärke, also wie dick das Papier ist, kann das Papier bedruckt werden, oder eben nicht, bzw. nur mit besonderen Druckern. Büttenpapier ist sehr edel und wird beispielsweise für Hochzeitseinladungen, Menüs oder sonstige besondere Anlässe genutzt. 

Ich nutze Büttenpapier für meine Karten. Dafür beschrifte oder besticke ich das Büttenpapier und nähe es im Anschluss mit der Nähmaschine auf eine Postkarte aus Kraftkarton. Das sieht dann etwa so aus: 

Da der Herstellungsprozess von Büttenpapier traditionell aufwändig ist, liegt Büttenpapier preislich recht hoch. Ich schlage mit meiner Papiermachaktion also irgendwie zwei Fliegen mit einer Klappe: Ich nutze Ressourcen, die ich sonst nicht nutzen würde und die im Abfall landen würden & ich spare Materialkosten. Einziges Investment: Ein kleiner Bottich und meine Zeit.

Das brauchst du für Büttenpapier

Büttenpapier zu machen ist an sich nicht schwer. Neben ein bisschen Zeit brauchst du dafür:

Material

👉🏽 Altpapier

👉🏽 eine kleine Wanne

👉🏽 einen Mixer oder Zauberstab

👉🏽 eine alte Strumpfhose (aus Nylon o.ä.)

👉🏽 zwei Rahmen (möglicherweise etwa gleich groß)

👉🏽 eine Schere

👉🏽 ein Nudelholz

👉🏽 ein Handtuch (je glatter desto besser)

👉🏽 nach Wunsch: ein Prägemittel wie Trockenblumen, Farn, etc.

👉🏽 evtl. einen Lappen

So machst du Büttenpapier

Wie gesagt: Büttenpapier zu machen ist nicht schwer. Du kannst dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung folgen, oder nach unten zum Video scrollen. So oder so wünsche ich dir viel Spaß! Du hast keine Lust, selbst Papier zu schöpfen? Dann schau doch einfach in meinem Shop vorbei!

Schritt 1 – Papier klein machen

Im ersten Schritt reißt du dein Papier in Schnipsel. Wenn du einen Schredder in der Nähe hast, kannst du das Papier schreddern. Die Schnipsel sammelst du in der Wanne.

Tipp: Nimm zu Beginn lieber ein bisschen weniger Papier.

Schritt 2 – Papier einweichen

Jetzt füllst du Wasser in die Schüssel. Ich empfehle dir heißes Wasser. Du kannst auch Wasser im Kocher aufkochen und über die Papierschnipsel gießen. Je wärmer das Wasser, desto besser weichen die Schnipsel ein. Fülle so viel Wasser ein, dass du den Rahmen gut eintauchen und das Papier abschöpfen kannst. Während das Papier einweicht, kümmern wir uns um Schritt 3.

Schritt 3 – Rahmen bespannen

In Schritt drei verwandeln wir deine alte Strumpfhose und einen deiner beiden Rahmen in ein Schöpfsieb. Schneide dazu ein Stück deiner Strumpfhose ab – z.B. ein Bein – und stülpe es über den Rahmen. Schneide die Strumpfhose dann so ab, dass du beide Enden straff miteinander verknoten kannst. Der Rahmen ist jetzt in der Strumpfhose. Natürlich kannst du auch anders vorgehen. Es geht einfach darum, dass Rahmen und Stoff ein glattes Sieb bilden.

Schritt 4 – Eingeweichtes Papier mixen

Ist das Papier gut eingeweicht, kannst du es mixen. Ich habe neulich versucht, alte Kartonagen zu recyceln. Das geht zwar auch, man muss das Material jedoch sehr viel länger einweichen lassen. Ich habe zum Mixen einen Zauberstab genommen. Du kannst natürlich auch einen Standmixer nehmen, oder was du eben zum Mixen zur Hand hast :D. 

Schritt 5 – Ran an’s Schöpfen!

Jetzt kann der wahre Spaß beginnen! Breite das Handtuch aus, auf dem du das Papier gleich ablegst. Jetzt legst du den „losen“ Rahmen auf den, den wir in Schritt 3 bespannt haben. Tauche die Rahmen in das Papier-Wasser ein und schöpfe dann eine Schicht Papier aus der Wanne. Lass‘ die Rahmen gut abtropfen, bevor du den oberen Rahmen abnimmst. Dann stülpst du den Netz-Rahmen, auf dem die Papierschicht haftet, auf das Handtuch. Falls du eine Prägung auf dem Papier haben möchtest, kannst du das Papier auf beispielsweise eine getrocknete Blume o.ä. stülpen. Nutze einen Lappen, um etwas mehr Wasser abzutupfen. Wenn du Glück hast, löst sich das Papier direkt vom Netz-Rahmen und bleibt auf dem Handtuch liegen. Bei mir hat das nicht immer so gut geklappt – falls ich herausfinde, wie das am Besten funktioniert, werde ich den Beitrag updaten :). Den Prozess wiederholst du, bis du das Gefühl hast, dass kein Papier mehr – oder nur noch wenig – im Wasser ist. 

Schritt 6 – Wasser abgießen

Im Anschluss an das Schöpfen gießt du das Wasser ab. Bitte schütte es nicht einfach in den Abfluss, sondern arbeite hier mit einem Sieb. Du kannst entweder deinen Netz-Rahmen nutzen, oder ein normales Küchensieb. Ich verspreche dir: es wird mehr Papier im Sieb hängen bleiben, als du denkst ;). Das Papier kannst du sammeln und entsorgen, oder für die nächste Papiermachaktion aufbewahren (ich trockne den Klumpen und weiche ihm beim nächsten Mal wieder mit ein).

Schritt 7 – Nasses Papier pressen

In diesem Schritt decken wir das noch feuchte Papier mit einem weiteren Handtuch ab. Schau, dass das Handtuch ganz flach liegt. Dann rollst du mit dem Nudelholz über die Papiere. Du wirst sehen wie viel Wasser noch im Papier steckt! Achte bei den Handtüchern darauf, dass sie von der Struktur her recht fein sind, ansonsten wird die Oberfläche deines Papiers sehr grob bzw. rau. 

Schritt 8 – Papier trocknen lassen

Nun ist Geduld gefragt, denn das Papier sollte in Ruhe trocknen können. Ich empfehle dir das Papier z.B. auf die Heizung, oder an einen sonnigen Ort zu legen. Achte darauf, dass du das Papier vom nassen Handtuch nimmst, falls dieses auf einem Holztisch liegt, der aufquellen könnte. Wundere dich nicht, wenn das Papier sich sehr stark wellt, das ist normal. 

Schritt 9 – Papier glätten

Dieser finale Schritt ist meiner Meinung nach sehr magisch, denn jetzt nimmt das Papier seine „richtige“ Form an. Du kannst zum Glätten entweder ein Bügeleisen benutzen, oder das Papier in einem Buch o.ä. pressen – eine Kombination ist natürlich auch möglich. Zum Bügeln empfehle ich dir, ein Handtuch unter und auf die zu bügelnden Papierbögen zu legen. Denke daran den Wasserdampf abzustellen. Wenn du dir das Bügeln sparen möchtest, kannst du deine Papierbögen – wie oben erwähnt – in einem Buch, einer Presse, oder ähnlichem Pressen. Hier brauchst du zwar etwas mehr Geduld, es funktioniert aber meiner Meinung nach genau so gut, wie die Bügel-Variante. 

Schritt 10 – Papier verarbeiten

Herzlichen Glückwunsch! Dein Papier ist jetzt fertig und kann von dir weiterverarbeitet oder -verwendet werden. Hier ein paar Ideen, wie ich mein handgeschöpftes Büttenpapier nutze:

✍🏽 Papier einfach direkt als Karte verwenden

✍🏽 Papier als Teil einer Karte verwenden – z.B. Büttenpapier auf Kraftkarton kleben, nähen,…

✍🏽 Lesezeichen aus Papier basteln

✍🏽 und so weiter

Bevor es zum Fazit geht, kannst du dir hier mein kleines Video-Tutorial anschauen

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mein Fazit

Wie gesagt: Ich LIEBE Büttenpapier und durch das eigene Schöpfen weiß ich das Papier irgendwie noch mehr zu schätzen. Ich finde den Prozess an sich auch super entspannend und werde in Zukunft sicher noch weiter experimentieren. 

Und du? Hast du selbst schon Papier geschöpft, oder willst es mal ausprobieren? Teil deine Gedanken und oder Erfahrungen gerne mit mir in den Kommentaren :). 

Hast du Bock auf mehr, Fragen oder Feedback? Dann schreib’ mir gerne eine Mail an hey@diealltagspoetin.de oder nutze die Kommentarfunktion.

Bis zum nächsten Beitrag

 

Ach, bevor ich’s vergess’:

Was dich demnächst hier erwartet

  • Ali und ihr Buch – wird es eine “richtige” Veröffentlichung geben? Statement, Story und Struggles

  • Hat sie Podcast gesagt? – Bald gibt es auf die Ohren, also spitz schon mal die Lauscher 😉

 

 

 

Immer up to date bleiben?

Melde dich zu meinem Newsletter an und sei immer auf dem neuesten Stand!

Mit Sicherheit erwartet dich hin und wieder auch die ein oder andere Überraschung :)!

Bis gleich!

Anna-Lisa

Hallo! Wenn Du das hier liest, dann hast Du dich vermutlich zu einem meiner Beiträge verirrt. Ich wünsche Dir ganz viel Ruhe und Entspannung beim Stöbern durch meine Texte. Mach es Dir gemütlich :). P.S.: Ich würde mich tierisch über Deine Gedanken zu meinen Texten freuen. Lasse einfach einen Kommentar da :)!

Schreibe einen Kommentar